Mit einem 0:0 im rheinischen Derby gegen den 1. FC Köln hat Bayer 04 seine Serie auf 24 Spiele ohne Niederlage seit Saisonbeginn ausgebaut und damit einen neuen Bundesliga-Rekord aufgestellt.
Im 50. Bundesliga-Aufeinandertreffen der Nachbarstädte schienen die Fronten vor dem Start geklärt. Bayer: ungeschlagener Spitzenreiter und Favorit, Köln: nach zuletzt drei Spielen ohne Sieg wieder Richtung Keller gerutschter Außenseiter.
Der Stimmung tat das natürlich keinen Abbruch. Schon lange vor dem Anpfiff feierten die Fangruppen in der mit 30.210 Zuschauern natürlich ausverkauften BayArena und sorgten für einen würdigen Rahmen. Auch auf dem Feld wurde es nach anfänglichem Abtasten schnell intensiver.
Gefährlicher Kies-Kopfball
Bayer-Trainer Jupp Heynckes hatte auf seine vertraute Formation gesetzt. Sami Hyypiä kehrte nach seiner Gelbsperre in die Innenverteidigung zurück, Stefan Reinartz rückte ins Mittelfeld und Gonzalo Castro begann wieder auf der linken Verteidiger-Position. Kölns Ausrichtung sah auf dem Papier nach einem defensiven 4-2-3-1 aus, doch gerade in der ersten Hälfte suchten die Gäste auch ihre Chancen nach vorne.
Die erste Duftmarke vor dem Tor setzte allerdings die Werkself. Nach einer Flanke von Daniel Schwaab stieg Torjäger Stefan Kießling in der Mitte hoch, verfehlte aber mit seinem Kopfballversuch aus sieben Metern das Kölner Gehäuse knapp (5.).
Stimmen zum Spiel:
Trainer Jupp Heynckes (Bayer 04): "Ich wusste bereits vor dem Spiel, dass es sehr schwer wird. Im Vorfeld wurde ja nur über die Höhe des Ergebnis diskutiert. Das gelangt dann auch in die Köpfe der Spieler. In der ersten Halbzeit haben wir zu langsam gespielt und die Präzision im Passspiel vermissen lassen. Wir haben es nicht verstanden, gegen das Bollwerk durchzukommen. Das haben die Kölner aber auch sehr geschickt gemacht. Es gibt solche Spiele. Wir haben nicht gut gespielt, es hat nicht sein sollen."
Trainer Zvonimir Soldo (1. FC Köln): "Nach dem 1:5 gegen Stuttgart war das ein sehr wichtiges Spiel für uns. Die Mannschaft hat den Derby-Charakter angenommen und sich das Selbstbewusstsein zurückgeholt. In der ersten Halbzeit hatten wir drei, vier gute Situation, aber Adler hat gut reagiert. In der zweiten Halbzeit waren wir ständig unter Druck. Wir haben aber gut gestanden. Wenn man so engagiert und diszipliniert spielt, kann man auch gegen eine Spitzenmannschaft mithalten."
Adler klärt gegen Freis
Wenig später hatten die Bayer-Fans erneut den Torschrei auf den Lippen, aber zunächst fischte Kölns Torwart Faryd Mondragon einen Hyypiä-Kopfball aus dem Eck, dann vergab der vom Abpraller überraschte Manuel Friedrich aus kurzer Distanz den Nachschuss (15.). Es schien so, als sollte sich Bayers spielerisches Übergewicht auch bald in Zählbarem niederschlagen.
Doch Köln fand zu einer Stabilität, die es der Werkself trotz phasenweise guter Ballstaffetten in Strafraumnähe fast unmöglich machte, etwas Produktives Richtung Tor zu starten. Als dann auch noch Sebastian Freis nach einem langen Ball frei vor René Adler auftauchte, aber an Bayers Nummer eins scheiterte, schalteten auch die Gastgeber bis zur Pause erst einmal wieder auf Absicherung um.
Mehr Offensive mit Renato Augusto
Mit Beginn der zweiten Hälfte versuchte Bayer-Coach Heynckes, der Partie einen anderen Dreh zu geben. Mit Renato Augusto für Schwaab brachte er frischen Wind für die Offensive. Schon nach wenigen Minuten sah es so aus, als sollte das der richtige Schachzug gewesen sein. Augusto setzte sich auf rechts gleich gegen zwei Kölner durch, zog dynamisch in den Strafraum und scheiterte mit seinem Schuss aus spitzem Winkel nur knapp an Mondragon.
Was nach einem Start-Signal für Bayer aussah, war er das Rückzugssignal für Köln. Immer tiefer staffelten sich die Gäste, so dass Kießling hinterher frustriert feststellen musste: "Wenn der Gegner mit Mann und Maus hinten drin steht, ist es schwer, sich in Szene zu setzen."
Vidal stoppt Freis
Einmal schien es, als habe die Werkself die entscheidende Lücke gefunden, doch Stefan Reinartz wurde nach einem Barnetta-Lupfer noch von Pedro Geromel im Strafraum abgefangen. Die Kölner ihrerseits taten nach vorne nicht viel, hatten aber noch einmal durch Freis einen gefährlichen Vorstoß, den Arturo Vidal mit beherztem Einsatz im Strafraum stoppen konnte.
So blieb es beim 0:0 und während die Kölner die Arme hoch rissen, wussten die Bayer-Profis nicht so Recht, ob sie sich über den Bundesliga-Startrekord von 24 ungeschlagenen Spielen in Serie, das 14. Bundesliga-Derby in Folge ohne Niederlage oder die zumindest vorläufig verteidigte Spitzenposition in der Liga überhaupt freuen sollten.
"Das war schon eher unbefriedigend", meinte Kießling kurz nach dem Spiel.
Aber vielleicht sieht am nächsten Spieltag schon alles wieder anders aus – obwohl auch beim Vorletzten 1. FC Nürnberg die Konstellation so eindeutig ist, wie vor dem Spiel gegen Köln.
Statistik:
Bayer 04: Adler - Schwaab (46. Renato Augusto), M. Friedrich, Hyypiä, Castro (69. Kadlec), Vidal, Reinartz, Barnetta (75. Bender), Kroos, Kießling, Derdiyok
1. FC Köln: Mondragon - Schorch, Geromel, Mohamad, Brecko, Petit, McKenna, Freis (89. Ehret), Podolski, Matuschyk, Novakovic
Tore: -
Gelbe Karten: Vidal - Novakovic, Podolski
Schiedsrichter: Knut Kircher (Rottenburg)
Zuschauer: 30.210 (ausverkauft - BayArena, Leverkusen)
Quelle: http://www.bayer04.de
|